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Rudolf BlĂŒml
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Rudolf BlĂŒml (* 16. April 1898 in Karnitzen (bei St. Paul im Gailtal); â 28. September 1966 in Klagenfurt) war ein KĂ€rntner Slowene und österreichischer Priester, der maĂgeblichen Einfluss auf die Entwicklung der slowenischsprachigen Volksgruppe in KĂ€rnten hatte.
Contents
âą Leben
âą Politik
âą Erziehungswesen
âą Abgeordneter
âą NS-Verfolgung
âą TrĂŒmmerpriester
âą Auszeichnungen
âą Werke
âą Literatur
âą Einzelnachweise
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Leben
BlĂŒml war der Sohn des Schuhmachers Georg BlĂŒml vulgo TomaĆŸele (* 20. April 1859; â 1. September 1933) und dessen Ehefrau Ursula geb. Jobst (* 4. Februar 1857; â 4. Januar 1912).
Rudolf BlĂŒml hatte eine entbehrungsreiche Kindheit: Die Glaubenswelt der KugliÄ-Familie war römisch-katholisch, ihre AusprĂ€gung in lĂ€ndlich-naiver Form von der heiligen Dreifaltigkeit bestimmt. Die Mutter des bescheidenen und talentierten Jugendlichen legte groĂen Wert auf seine Ausbildung. ZunĂ€chst besuchte er die Volksschule in St. Paul im Gailtal. Eher zufĂ€llig und mit UnterstĂŒtzung von Verwandten aus der Umgebung Klagenfurts konnte BlĂŒml in der Landeshauptstadt das Gymnasium besuchen. Noch wĂ€hrend des Ersten Weltkrieges besuchte er als EinjĂ€hrig-Freiwilliger die Offiziersschule des Agramer Hausregiments, das in Rijeka stationiert war. Am 29. Mai 1918 maturierte Rudolf BlĂŒml in Klagenfurt und schrieb sich im selben Jahr an der Theologischen Diözesanlehranstalt ein.
Abwehrkampf und Volksabstimmung und die einhergehenden labilen politischen Ereignisse verhinderten die FortfĂŒhrung der Studien in Klagenfurt; mit UnterstĂŒtzung seiner Mentoren wandte sich BlĂŒml nach Marburg an der Drau, wo er sein philosophisch-theologisches Studium fortsetzte und spĂ€ter das Priesterseminar verlieĂ, um an der neu gegrĂŒndeten UniversitĂ€t Laibach sein Studium fortzusetzen. Dort ĂŒbernahm er das Amt des Vertreters der Theologischen FakultĂ€t an der UniversitĂ€t. Seine Priesterweihe erhielt er am 3. Juni 1922 in Laibach und seine Primiz feierte er am 16. Juli 1922 in Karnitzen/Karnice im Gailtal.
Rudolf BlĂŒmls weiterer Weg fĂŒhrte nach Wien, wo er seine Theologiestudien fortsetzte. Er wohnte zunĂ€chst im Augustineum. Hier lernte er den Direktor der Anstalt, Theodor Innitzer, kennen, der zu seinem âDissertations-Vaterâ wurde und der ihm auch eine Unterkunft im Herz-Jesu-Kloster im 3. Bezirk vermittelte. BlĂŒml dankte dies mit engagiertem Einsatz als Seelsorger, Prediger und Beichtvater.
Politik
Er lernte frĂŒh den PrĂ€laten Ignaz Seipel kennen, der ebenfalls das Herz-Jesu-Kloster als seinen geistlichen RĂŒckzugsraum pflegte. Aus dieser Bekanntschaft entwickelte sich eine partnerschaftlich-freundschaftliche Beziehung zwischen den beiden MĂ€nnern, die sich in den weiteren Jahren in einem intensiven intellektuellen Austausch befanden. Im Laufe seines weiteren Lebens publizierte BlĂŒml mehrere BĂŒcher ĂŒber Ignaz Seipel oder gab welche fĂŒr ihn heraus, als er diese selbst nicht mehr veröffentlichen konnte. Eines der bekanntesten erschien unter dem Titel âPrĂ€lat Seipel â Ein groĂes Leben in kleinen Bildernâ in der Buchdruckerei Carinthia des Sankt-Josefs-Vereins in Klagenfurt 1933. Aus diesem wird erkennbar, wie nahe Rudolf BlĂŒml seinem vĂ€terlichen Freund und persönlichen Vorbild gewesen sein muss. Dieses jahrelange Zusammenwirken beschrĂ€nkte sich nicht nur auf Ausstellungsbesuche, theologische Diskussionen oder SpaziergĂ€nge, sondern wurde im Laufe mehrerer Jahre zu einer prĂ€genden, geistig fundierten Freundschaft unter Theologen, in der nicht nur der Ăltere dem JĂŒngeren, sondern auch der im sĂŒdlichen Grenzland geborene BlĂŒml dem Politiker hilfreiche EinschĂ€tzungen vermitteln konnte. Wie sehr die beiden miteinander konnten, zeigt unter anderem âein persönliches Bekenntnisâ Rudolf BlĂŒmls, in dem sich dieser fĂŒr die Zuwendung des Priesters und Bundeskanzlers bedankt. Selbst im Sterbejahr des Politikers reiste dieser, bereits von schwerer Krankheit gezeichnet, nach Klagenfurt und besuchte BlĂŒml, der sich inzwischen in der Heimat eingelebt hatte.
Erziehungswesen
Diözesanbischof Adam Hefter hatte dem inzwischen zum Philosophen, Theologen, Staatswissenschafter und Soziologen ausgebildeten BlĂŒml im Jahre 1928 die neu errichtete slowenische Abteilung der Caritas und die Verwaltung der Pfarre Sankt Johann im Rosental als Provisor ĂŒbertragen. DarĂŒber hinaus wurde er Sachwalter der Hermagoras-Bruderschaft und SekretĂ€r der Exerzitienbewegung der Diözese Gurk. Im Jahre 1934 â BlĂŒml durchlief bis dahin verschiedene Stadien neuer kirchlicher Initiativen â berief ihn FĂŒrstbischof Adam Hefter als 36-JĂ€hrigen auf Anraten Bischof Andreas Rohrachers in das Gurker Domkapitel. Die Leitung des Seelsorgeamtes fĂŒr die gesamte Diözese wurde fĂŒr Rudolf BlĂŒml die nĂ€chste Herausforderung. Er initiierte Seelsorgekurse, wurde Professor an der Privat-Lehrerinnenbildungsanstalt der Ursulinen in Klagenfurt, bot Erwachsenenbildungskurse an und publizierte in deutschen und slowenischen Medien in beiden Landessprachen.
Abgeordneter
Aufgrund seines engagierten Wirkens und seines Wissens kam Dr. Rudolf BlĂŒml ab dem 12. Februar 1934 eine hoch politische Aufgabe zu: Er wurde als Vertreter des Diözesanbischofs bzw. als Vertreter der Kirchen- und Religionsgemeinschaften Abgeordneter zum KĂ€rntner Landtag. Obwohl die Ăsterreichische Bischofskonferenz am 30. November 1933 die politische BetĂ€tigung der Priester und die AusĂŒbung politischer Funktionen verboten hatte, konnte sich die Diözese nicht aus dem katholisch geprĂ€gten StĂ€ndestaat entziehen und gestattete das Mandat ihres Domherrn. Dieser beschĂ€ftigte sich im KĂ€rntner Landtag als Mitglied des Schulausschusses vorrangig mit den Problemen des Schulwesens und Fragen der sozialen FĂŒrsorge. DarĂŒber hinaus beriet er den Landeshauptmann in Volksgruppenfragen.
NS-Verfolgung
Die schlimmsten gesellschaftlichen Erfahrungen musste Rudolf BlĂŒml machen, als die Nationalsozialisten Staat und Verwaltung ĂŒbernahmen. Bereits am 21. MĂ€rz 1938 wurde FĂŒrstbischof Adam Hefter von dem Regime gezwungen, zahlreiche slowenischsprachige Geistliche auf andere Seelsorgeposten zu versetzen, unter ihnen auch Rudolf BlĂŒml. Am 24. MĂ€rz 1938 wurde er zusammen mit sechs weiteren slowenischen Priestern aus ihren Pfarren und aus dem slowenischen Siedlungsgebiet verwiesen. Nach Abhaltung des Referendums, mit dem die Eigenstaatlichkeit Ăsterreichs endgĂŒltig erlosch, beruhigte sich die Lage etwas; BlĂŒml konnte zurĂŒckkehren und wurde im Herbst 1938 zum Dompfarrer berufen. Zwei Jahre spĂ€ter wurde er Stadtdechant von Klagenfurt, konnte diese Funktion jedoch nur sechs Tage lang ausĂŒben. Der Ăberfall des Deutschen Reiches auf Jugoslawien wirkte sich unmittelbar auf die slowenischsprachigen KĂ€rntner Priester aus. 52 von ihnen wurden am 6. April 1941 zunĂ€chst interniert und danach infolge aufreibender Verhandlungen, die das Ordinariat mit den NS-Behörden fĂŒhren musste, in deutsche Gemeinden des Landes versetzt. BlĂŒml wurde von der Gestapo am selben Tag verhaftet. Er und der Priester Konrad Mente erhielten den Gauverweis und mussten ihre Heimat KĂ€rnten verlassen. Erst am 1. Juli 1945, nach vierjĂ€hriger Verbannung, kehrte Rudolf BlĂŒml nach Klagenfurt zurĂŒck.
TrĂŒmmerpriester
Als wieder eingesetzter Dompfarrer wurde er zum âTrĂŒmmerpriesterâ, der nicht nur die TrĂŒmmer der zerstörten Stadt und des Landes vor sich sah, sondern der vor allem zertrĂŒmmerte Seelen zu betreuen hatte. Zu Unrecht oft diskriminiert, zeigte der Dompfarrer, dass die kĂŒnftige Arbeit fĂŒr Land und Menschen dem Frieden, der Versöhnung, der Ăberwindung von Feindschaften und der Vermittlung ethischer Werte zu gelten habe. Aufgrund seiner Initiative erschien die slowenische Kirchenzeitung âNedeljaâ (âDer Sonntagâ) wieder und wurde vom Monats- zum Wochenblatt. Gleichzeitig gab er Impulse zur Herausgabe der deutschsprachigen âKirchenzeitungâ und der âGotteskinderâ. In dieser Zeit begann er seine Vorarbeiten fĂŒr ein weiteres Buch zu Ignaz Seipel: âIm Dienste des Wortes â Predigten und Ansprachenâ.
Aufgrund eines Verkehrsunfalles am 23. November 1946 befand sich BlĂŒml drei Jahre in Rekonvaleszenz und Beurlaubung, dieser ereignete sich bei Wartberg im MĂŒrztal auf einer Fahrt mit Anwalt Dr. Tschurtschenthaler. Seine priesterliche Laufbahn entwickelte sich anders als erwartet; die intellektuelle Kraft allerdings und der Wille, an der Ausgestaltung der Botschaft fortzufahren, blieben Rudolf BlĂŒml erhalten. Greift man zurĂŒck auf seine Dissertationsschrift âPaulus und der dreieinige Gottâ, so erklĂ€rt sich sein theologisches Motiv, wenn er im Vorwort die Erkenntnis seiner Studien so ausdrĂŒckt
âKlar und immer klarer aber wurde mir auch, dass ganz lebendiges, urchristlich-paulinisches Christentum nur im stĂ€ndigen Aufblick des Ebenbildes zum Urbild bestehen kann, und dass ein wesensmĂ€Ăiges Begreifen der gottgeschaffenen LebensverhĂ€ltnisse im Menschen und in der Menschheit nur aus dem glaubensmĂ€Ăig erkannten und erfassten allvorbildlichen Gott heraus möglich wird, aus jenem Gott, nach dessen und zu dessen Bild die âneue Schöpfungâ geschaffen und der âAlles in Allenâ ist. Dieser allvorbildliche Gott ist fĂŒr Paulus aber ein dreieiniger (âŠ)â
Hat der Priester und hochrangige Theologe aus dem Unteren Gailtal eine mögliche Auseinandersetzung ĂŒber den Weg der Kirche, die erst Jahrzehnte nach seinem Ableben einsetzte, bereits erahnt? Fest steht, dass Rudolf BlĂŒml ab Mitte der 50er Jahre noch bedeutende Aufgaben innerhalb der Gurker Diözese einnehmen sollte. Die umfassenden Erfahrungen seines bisherigen Lebens waren ihm dabei nĂŒtzlich, und seine Förderung des geistigen Lebens der slowenischen Volksgruppe wurde Legende. Trotz vieler Ăbergriffe und Attacken auf seine Person blieb auch BlĂŒmls Heimatliebe und Bekenntnis zur Republik Ăsterreich unantastbar.
Nach der Errichtung des Bundesgymnasiums fĂŒr Slowenen in Klagenfurt (1957) ĂŒbernahm er die Funktion eines Fachinspektors fĂŒr Religion. FĂŒr die KĂ€rntner slowenische Jugend gestaltete er das Exerzitienheim in Tainach, und er entwarf PlĂ€ne fĂŒr das neu angekaufte Heim bei der Wallfahrtskirche Heiligengrab. Die kirchlichen Funktionen des Domherrn erreichten mit seiner Ernennung zum Dompropst im August 1965 einen Höhepunkt, ĂŒber den er sich nicht mehr lange freuen konnte. Sein Lebensweg endete nach einer letzten schweren Krankheit am 28. September 1966. Er wurde am 30. September 1966, einem verregneten Herbsttag, in der Gruft des Gurker Domkapitels im Klagenfurter Dom beigesetzt.
Die Persönlichkeit BlĂŒmls, der aus kleinen VerhĂ€ltnissen des Unteren Gailtales stammte, charakterisierte einst Weihbischof Andreas Rohracher in einem Schreiben an den PĂ€pstlichen Nuntius:
âDomkapitular Dr. BlĂŒml ist ohne Zweifel der geistig regsamste und höchststehende von den slowenischen Priestern, weshalb man offenbar ihn von der TĂ€tigkeit in der Diözese Gurk ganz ausscheiden will. Sein Verlust wĂŒrde fĂŒr uns, besonders auch fĂŒr mich persönlich, einen sehr schweren Schlag bedeuten.â
Der langjĂ€hrige Obmann des Rates der KĂ€rntner Slowenen, Valentin Inzko, beschrieb ihn als einen Mann mit ausgeprĂ€gtem Ăsterreichbewusstsein, als einen Priester, der von der liturgischen Bewegung Pius Parsch geprĂ€gt war, als einen kirchlichen ReprĂ€sentanten, der seinen Glauben mit dem Nationalen in Einklang zu bringen suchte, wobei er den Glaubensinteressen den Vorzug vor den nationalen Belangen gab. Trotz seiner blendenden Ausbildung, seiner Rednergabe und seines hohen Ranges blieb er immer bescheiden. BlĂŒml selbst formulierte fĂŒr das Todesgedenken einen letzten gedruckten Satz.
âAlle, denen ich â wie, wo und wann immer â zum Ărgernis geworden bin, bitte ich aufrichtig um Vergebung, wie auch ich allen vergebe mit der Bereitwilligkeit, um die ich den dreieinigen Gott auf die FĂŒrsprache der Mutter der Barmherzigkeit und aller Heiligen bei der letzten groĂen Absolution instĂ€ndig bitte.â
Auszeichnungen
âą 2019 Rudolf-BlĂŒml-Weg in Klagenfurt in Lendorf, von der Feldkirchner StraĂe nach Ostencite-ref-1[1]
Werke
âą Rudolf BlĂŒml: Paulus und der dreieinige Gott. Eine biblisch-dogmatische Studie. Mayer & Comp., Wien 1929
âą Rudolf BlĂŒml: Ignaz Seipel. Mensch, Christ, Priester in seinem Tagebuch. Mit einem Geleitwort von Kardinal Innitzer. Wien 1933
âą Rudolf BlĂŒml: PrĂ€lat Dr. Ignaz Seipel. Ein groĂes Leben in kleinen Bildern. Klagenfurt 1933
âą Rudolf BlĂŒml (Hg.): Ignaz Seipel: Der Friede. Ein sittliches und gesellschaftliches Problem. Innsbruck 1937
âą Rudolf BlĂŒml: Ignaz Seipel. Im Dienste des Wortes. Predigten und Ansprachen., Herold-Verlag, Wien 1955
Literatur
âą Josef Till: PrĂ€lat, PĂ€dagoge und Politiker Rudolf BlĂŒml (1898â1966). In: Jan Mikrut (Hg.): Faszinierende Gestalten der Kirche Ăsterreichs, Bd. 8. Dom-Verlag, Wien 2003, ISBN 3-85351-175-9, S. 11â18.
âą Peter GĂŒnther Tropper: Wie Hemma von Gurk zur Heiligen wurde. Etappen eines Kanonisationsprozesses. In: Katalog zur Ausstellung Hemma von Gurk auf Schloss Strassburg/KĂ€rnten 14. Mai bis 26. Oktober 1988
âą Vinzenz Jobst: Rudolf BlĂŒml â Lebensbild eines Priesters. In: Engelbert Obernosterer, Wilhelm Baum (Hg.): Literarische und historische StreifzĂŒge durch das Gailtal. Kitab-Verlag, Klagenfurt 2010, ISBN 978-3-902585-42-4.
âą Rudolf Siegl: Die Abgeordneten zum KĂ€rntner Landtag von 1848 bis 1938, Diss., 2022, S. 140, Digitalisat.
Einzelnachweise